Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 44 - 29.08.2017

Armut steigt auch im wohlhabenden Südwesten

Höhere Tarifbindung, weniger prekäre Beschäftigung und eine bessere Rentenpolitik sind wirksame Mittel zur Bekämpfung von Armut

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes war das Armutsrisiko in Baden-Württemberg 2016 mit 11,9 Prozent im Bundesvergleich am geringsten. Dieser Wert relativiert sich jedoch stark, betrachtet man das Armutsrisiko für Erwerbslose (43,4 Prozent) und das für Alleinerziehende und ihre Kinder (38,7 Prozent). Und auch im Zeitvergleich zeigt sich eine Verschlechterung. 2005 lag das Armutsrisiko im Südwesten noch bei 10,6 Prozent, 2015 schon bei 11,8 Prozent.

Martin Kunzmann, DGB-Landesvorsitzender: „Die soziale Lage in Baden-Württemberg darf durch den Vergleich mit anderen Bundesländern nicht schön geredet werden. Es gilt, auch im Südwesten die sozialen Missstände und Verwerfungen anzugehen und eine Politik zu machen, die die besonders armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen in den Blick nimmt.“

Schon der erste – und bisher einzige – Armuts- und Reichtumsbericht, den die damalige grün-rote Landesregierung im November 2015 veröffentlicht hat, habe das weit überdurchschnittliche Armutsrisiko von Alleinerziehenden und Kindern aus einkommensschwachen Familien gezeigt.

„Die Landesregierung darf der zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft nicht tatenlos zusehen. Sie muss dafür sorgen, dass der im Land erarbeitete Wohlstand bei allen Menschen ankommt. Dies kann mit einer höheren Tarifbindung, dem Zurückdrängen des Niedriglohnsektors und einer Stärkung der gesetzlichen Rente gelingen. Auch eine Wohnungspolitik, die bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit niedrigen Einkommen schafft, dient der Armutsbekämpfung“, sagte Kunzmann. Er forderte Grün-Schwarz sowie die künftig im Bundestag vertretenen Abgeordneten auf, eine aktive Wirtschafts- und Sozialpolitik zu betreiben. „Armut nimmt den Menschen ihre Würde. Ein starker Sozialstaat stärkt den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Dies ist im Interesse aller.“

 

Die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes:

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/08/PD17_298_122.html

 

Hintergrund:

Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und wird – entsprechend dem EU-Standard – definiert als der Anteil der Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen in Privathaushalten beträgt. Das Äquivalenzeinkommen ist ein auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens berechnetes bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied. 

 

 

 


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