Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 62 - 19.08.2015

Bildungszeit sichert Innovationsfähigkeit und Fachkräfte


DGB: Benachteiligung von Beschäftigten in Kleinbetrieben, Schulen und Hochschulen beseitigen

Azubis mehr Bildungszeit ermöglichen

„Strukturwandel, Wirtschaft 4.0 und Digitalisierung sind nur mit mehr Weiterbildung und Qualifizierung zu bewältigen“, so der DGB-Vorsitzende Nikolaus Landgraf. Die Bildungszeit ermögliche es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sich selbstbestimmt auf diese einschneidenden Veränderungen der Arbeitswelt einzurichten. „Der DGB, seine Mitgliedsgewerkschaften und ein breites gesellschaftliches Bündnis von Kirchen, Sport- und Jugend-, Frauen- und Wohlfahrtsverbänden haben sich seit 2013 für ein Gesetz zur Bildungsfreistellung in Baden-Württemberg eingesetzt“ so Landgraf. Aktuell schaffe die Landesregierung in enger Abstimmung mit dem Bündnis Bildungszeit die Voraussetzungen, um auch die Qualifizierung für ehrenamtliches Engagement im Ehrenamtsland Baden-Württemberg voran zu bringen. Die dafür notwendige Rechtsverordnung soll nach den Plänen der Landesregierung zum 1. Januar 2016 in Kraft treten. „Qualifizierte ehrenamtliche Arbeit wird zukünftig einen wichtigen Beitrag für ein gutes Leben in Baden-Württemberg leisten“, so der DGB-Chef. Davon würden auch die Betriebe profitieren, die ihre Aktivitäten zur Corporate Social Responsibility (CSR) mit der Bildungszeit ab 2016 neu ausrichten könnten. Der DGB und das Bündnis Bildungszeit forderten die Landesregierung zu einer gemeinsamen Kampagne zur Bildungszeit auf, um gerade die bislang bei der Weiterbildung benachteiligten Gruppen für die Bildungszeit zu gewinnen. Dies gelte insbesondere für Beschäftigte in Kleinbetrieben und Fachkräfte ohne Aufstiegsfortbildung sowie An- und Ungelernte.  Die große Zahl der anerkannten Träger und eine hohe Nachfrage nach Weiterbildung zeige, dass die Bildungszeit gut angenommen werde.

„Die bestehenden Benachteiligungen von Beschäftigen an Schulen und Hochschulen sowie in Kleinbetrieben müssen baldmöglichst beseitigt werden“, so Landgraf. Insbesondere Kleinbetriebe könnten beim Vorliegen dringender betrieblicher Belange Anträge jederzeit ablehnen. Ein besonderer Schutz von Kleinbetrieben sei daher überflüssig. Auszubildende und dual Studierende sollten nach Ansicht des DGB die Bildungszeit in vollem Umfang nutzen können. „Gerade die Ausweitung der politische Bildung kann Jugendliche und junge Erwachsene dazu motivieren, sich aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen“, so Landgraf weiter. So könne auch Vorurteilen gegenüber Minderheiten entgegengewirkt und Ausgrenzung und Rassismus vorgebeugt werden. Derzeit können Auszubildende und dual Studierende nur  fünf Tage Bildungszeit während ihrer gesamten Ausbildungszeit von in der Regel 3-4 Jahren in Anspruch nehmen. Beschäftigte an Schulen und Hochschulen seien hinsichtlich der zeitlichen Lage – nur in der vorlesungsfreien Zeit bzw. in den Schulferien - von Weiterbildungsmaßnahmen deutlich eingeschränkt.

„Die Bildungszeit ermöglicht den Arbeitgebern im Gegensatz zu vielen anderen Landesregelungen eine großzügige Anrechnung der betrieblichen Weiterbildung auf die Bildungszeit“, so Landgraf. Betriebe, die bereits ein breites Angebot zu Weiterbildung und Qualifizierung hätten, würden daher kaum zusätzlich belastet. Durch die bestehende Kleinbetriebsklausel könne die überwiegende Zahl der Betriebe ohnehin Anträge auf Bildungszeit leicht ablehnen. „Der Anspruch auf Bildungszeit muss mit Blick auf die betrieblichen und gesellschaftlichen Herausforderungen aber eher ausgeweitet werden“, so der DGB-Chef. Forderungen von Arbeitgebern, die Bildungszeit wieder abzuschaffen, tritt Landgraf entgegen. „Mit der Bildungszeit unterliegen die Arbeitgeber im Land nunmehr den gleichen Wettbewerbsbedingungen wie Betriebe in anderen Bundesländern“, so Landgraf, „auf Grund der Bildungszeit wird kein Betrieb im Land über Gebühr belastet.“ Bislang seien trotz vielfacher Regierungswechsel in keinem Bundesland Bildungsfreistellungsgesetze wieder abgeschafft worden. Es habe zwar Veränderungen in Detailfragen gegeben, aber keine Landesregierung habe die Gesetze insgesamt in Frage gestellt. „Das breit aufgestellte Bündnis Bildungszeit wird sich allen Versuchen, die Bildungszeit zu beschneiden, gemeinsam entgegenstellen,“ kündigte Landgraf an. Eine Abschaffung der Bildungszeit wäre ein verheerendes politisches Signal für die Menschen in Baden-Württemberg. „Das Land ist auf gute Fachkräfte, eine qualifiziertes Ehrenamt und mündige Bürger angewiesen sei, um Innovationskraft und  Bürgerengagement zu sichern und Politik und Gesellschaft erfolgreich zu gestalten“, so Landgraf.

 


Nach oben

Kontakt Pressestelle

E-Mail-Kontakt:
info-bw@dgb.de

Pressesprecherin:
Andrea Gregor
fon   0711-2028-213
mob 0175-2924287
fax   0711-2028-250
andrea.gregor@dgb.de

Andrea Gregor

Andrea Gregor


Sekretariat:
Benita Kaupe
fon  0711-2028-215
fax  0711-2028-250
benita.kaupe@dgb.de


Postanschrift:

DGB-Bezirk Baden-Württemberg
Pressestelle
Willi-Bleicher-Str. 20
70174 Stuttgart