Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 57 - 23.10.2018
"Gute Arbeit - Ausgezeichnet"

DGB verleiht erstmals Mitbestimmungspreis

Fünf Mitbestimmungsgremien bei feierlichem Empfang ausgezeichnet

Der DGB Baden-Württemberg verleiht am heutigen Dienstag, 23. Oktober, erstmals den von ihm geschaffenen Mitbestimmungspreis „Gute Arbeit – ausgezeichnet“. Geehrt werden fünf Mitbestimmungsgremien aus Baden-Württemberg für innovative und beispielhafte Projekte. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Betriebs- und Personalräteempfangs statt, zu dem die Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ins Neue Schloss in Stuttgart einlädt. Die Ministerin hat auch die Schirmherrschaft für den Preis übernommen.

Martin Kunzmann, der DGB-Landesvorsitzende, begründet die Initiierung des Mitbestimmungspreises so: „Die Mitbestimmung ist ein Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung. Doch zum einen nimmt die Vertretung der Beschäftigten durch Betriebsräte ab – im Land arbeiten nur noch 48 Prozent der Beschäftigten unter dem Schutz eines Betriebsrates. Vielfach versuchen Arbeitgeber, die gesetzlich festgeschriebenen Rechte der Beschäftigten durch Betriebsratsmobbing zu unterlaufen. Zum anderen stehen Betriebs- und Personalräte genauso wie Jugend- und Auszubildendenvertreter/-innen selten im Rampenlicht. Doch nur mit ihrem tagtäglichen Engagement kann die innerbetriebliche Demokratie auch gelebt werden. Deshalb möchten wir beispielhafte Projekte von Mitbestimmungsgremien würdigen.“

„Mit diesem Preis werden die erfolgreichen Projekte der Öffentlichkeit präsentiert und die Arbeit der Mitbestimmungsgremien auf besondere Art und Weise gewürdigt“, lobt Ministerin Hoffmeister-Kraut die Projekte, denen sie als Schirmherrin die Auszeichnung überreicht. „Für die Entwicklung unserer Gesellschaft hat die Mitbestimmung einen hohen Stellenwert. Die ausgezeichneten Projekte haben Beispielcharakter. Sie können für viele andere Betriebe und Verwaltungen als Vorbild dienen.“

Verliehen wird der nicht dotierte Preis in fünf Kategorien:

In der Kategorie Betriebe bis 700 Beschäftigte wird der Betriebsrat der Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co. KG ausgezeichnet. Um die Arbeitsplätze der Beschäftigten auch unter den Rahmenbedingungen der Energiewende zu sichern und gleichzeitig umweltfreundliche Technologien zu fördern, initiierte das Gremium den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerkes. In diesem Prozess mussten Arbeitszeitmodelle, Dienstpläne und andere Vereinbarungen neu gestaltet werden, die in vorbildlicher Weise die Interessen der Beschäftigten nach vereinbarkeitsfreundlichen Arbeitszeiten, Qualifizierungsmaßnahmen sowie klaren Personalbedarfsplanungen berücksichtigen.


Eine innovative Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung ist dem Preisträger in der Kategorie Betriebe mit mehr als 700 Beschäftigten, dem Betriebsrat der ZF Friedrichshafen AG, gelungen. Neben konkreten Vereinbarungen über Investitionen konnte hier ein Innovationsfonds erreicht werden, der für Projekte und Vorschläge aus der Belegschaft heraus genutzt werden soll. Damit konnte der Betriebsrat nicht nur eine zukunftsweisende Standort- und Beschäftigungssicherung erreichen, sondern auch die individuellen Beteiligungsmöglichkeiten der Beschäftigten stärken.


In der Landeshauptstadt Stuttgart hat der Gesamtpersonalrat einen vorbildlichen Umgang mit dem zunehmenden Problem der Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst erreicht. Präventive Analysen der Gefährdungspotenziale an Arbeitsplätzen, eine persönliche Unterstützung von Betroffenen durch ein Mitarbeiterunterstützungsteam (MUT) sowie eine klare Haltung der Null Toleranz gegenüber Gewalttätigen ergänzen sich zu einem nachhaltigen Unterstützungsangebot für die Beschäftigten. Das Projekt des Gremiums hat aus Sicht der Jurys Vorbildcharakter. Es wird deshalb in der Kategorie Personalräte ausgezeichnet.


Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) des städtischen Klinikums Karlsruhe gGmbH hat sich mit viel Ausdauer über den Weg einer betrieblichen Einigungsstelle für eine Urlaubsregelung für Auszubildende in den Pflege- und medizinischen Berufen eingesetzt. Damit hat sie gezeigt, dass die individuellen Bedürfnisse von Beschäftigten nach selbstbestimmten flexiblen Arbeitszeiten sehr wohl vereinbar sind mit den betrieblichen Erfordernissen des Arbeitgebers. Gerade in den betroffenen Berufen hat die JAV zur Attraktivität der Berufsbilder für junge Menschen beigetragen. Sie erhält dafür die Auszeichnung in der Kategorie Jugend- und Auszubildendenvertretungen.


Der Sonderpreis geht an den Betriebsrat der Harman/Becker Automotive Systems GmbH in Karlsbad für sein Engagement für eine beteiligungsorientierte und ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung. Psychische Belastungen häufen sich in der Arbeitswelt, sie sind vielfach aber weniger greif- und benennbar. Dem Betriebsrat kommt das Verdienst zu, sowohl die Beschäftigten für die Thematik sensibilisiert zu haben als auch den Arbeitgeber dazu veranlasst zu haben, die Probleme zu analysieren und mit zahlreichen Maßnahmen gegenzusteuern.


Unter zahlreichen Einsendungen haben die fünf Jurymitglieder ihre Entscheidung getroffen. Der Jury gehören an:

Ulrich Conzelmann, Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsrecht im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau,

Prof. Dr. Wolfgang Däubler, emeritierter Professor für Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Universität Bremen,

Julia Friedrich, Geschäftsführerin des DGB Baden-Württemberg,

Dr. Dieter Heidtmann, Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) Baden, sowie

Susanne Heydenreich, Intendantin des Theaters der Altstadt in Stuttgart.

 

Der Mitbestimmungspreis soll künftig alle zwei Jahre ausgeschrieben werden. Die Preisträger stehen nach der Preisverleihung für Interviews zur Verfügung.

 

 


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