Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 34 - 02.06.2017
DGB zu Studienabbrüchen:

Studienerfolg darf nicht von sozialer Herkunft abhängen

Betreuungsrelation an Hochschulen für angewandte Wissenschaften muss verbessert werden

„Bildungs- und auch Studienerfolg dürfen nicht länger von der sozialen Herkunft abhängig sein“, sagte die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf zur heute veröffentlichten Studie „Motive und Ursachen des Studienabbruchs an baden-württembergischen Hochschulen“. Dafür seien die bereits eingeleiteten Maßnahmen noch nicht ausreichend. Sorge bereitet dem DGB, dass Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung an einer beruflichen Schule erworben haben, ihr Studium häufiger abbrechen. Diese Schulen sind in Baden-Württemberg bislang klassische Schulen des sozialen Aufstiegs gewesen und ermöglichen breiten sozialen Schichten über unterschiedliche Bildungsgänge den Weg an die Hochschulen. „Hochschulzugangsberechtigte aus den Beruflichen Schulen müssen die gleichen Chancen auf einen erfolgreichen Studienabschluss haben wie Studierende aus überwiegend akademischen Elternhäusern, die das Abitur an einem klassischen Gymnasium machen“, sagte Frenzer-Wolf. „Die Studieneingangsphasen müssen zeitlich entzerrt werden und die Hochschulen müssen sich das Beratungs- und Vorbereitungsangebot für alle Studierenden deutlich ausbauen“, so Frenzer-Wolf. Dies gelte insbesondere für Studierende, die über ihre berufliche Qualifikation als Meister, Techniker oder Fachwirt den Weg an die Hochschulen gefunden haben. Der DGB sei bereit, an solchen Programmen mitzuwirken. Beispielgebend sei hier das Portal „arbeiterkind.de“, das sich gezielt an Studierende ohne akademischen Hintergrund wende.

„Wesentliche Ursache für die schlechten Zahlen an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist die im Bundesvergleich schlechte Betreuungsrelation“, so Frenzer-Wolf. Mit lediglich 16,6 wissenschaftlichen Beschäftigten je 100 Studierende liegen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg mit Abstand auf dem letzten Platz im Vergleich der Bundesländer. 

Das im Bildungsplan 2016 verankerte Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung verbessere künftig zwar die Berufs- und Studieninformation für alle Schülerinnen und Schüler auch nach Auffassung des DGB-Bezirks, der zeitlichen Umfang reiche aber insbesondere an den Gymnasien nicht aus. Im Gegensatz zur Gemeinschaftsschule oder der Realschule mit 5 Stunden sieht die Kontingentstundentafel an den Gymnasien lediglich 3 Stunden für das Fach vor. „Da an den Gymnasien nicht nur eine Studienorientierung, sondern auch eine umfassende Information über die Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Weiterbildungen erfolgen soll, wird diese Zeit nicht ausreichen“, so Gabriele Frenzer-Wolf.

„Es ist bedauerlich, dass die Studie keine Zahlen zu Studienabbrüchen an der Dualen Hochschule erhoben hat“, so Frenzer-Wolf. Die DHBW habe in den vergangenen Jahren einen erheblichen Zuwachs an Studierenden erfahren, ohne dass die Zahl der Lehrkräfte entsprechend angepasst werden konnte.

Der DGB erneuerte seine Forderung, das Bafög nachhaltig zu reformieren und die Freibeträge und Höchstsätze anzupassen.

 


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