Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 07 - 22.01.2016
Zukunftskongress "Leben und Arbeiten in Baden-Württemberg"

Gewerkschaften dringen auf Mitgestaltung bei Arbeit 4.0

Die immer schneller voranschreitende Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass die Beschäftigten von Produktionsprozessen und IT-gesteuerten Arbeitsabläufen dominiert werden. Die Arbeit der Zukunft ist gestaltbar, wenn alle Akteure rechtzeitig eingebunden werden. Darüber waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Zukunftskongresses „Leben und Arbeiten in Baden-Württemberg“ einig. Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte und Gewerkschaften dringen darauf, ihre Kompetenzen bei der Gestaltung von Arbeit 4.0 einzubringen.

„Die Gewerkschaften haben den Kampf aufgenommen, um auch gute Arbeit in den digitalen Geschäftsmodellen durchzusetzen“, sagte Nikolaus Landgraf, der Landesvorsitzende des DGB Baden-Württemberg in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena vor rund 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Wir sind nicht fortschrittsfeindlich – im Gegenteil. Wenn Arbeit 4.0 zur Humanisierung der Arbeitswelt beiträgt, ist das ein großer Segen für die Beschäftigten. Doch gleichzeitig dürfen wir die Risiken nicht ausblenden, etwa beim Datenschutz und den neuen, bisher unbekannten Kontrollmöglichkeiten.“

Roman Zitzelsberger, der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, benannte die beiden großen Herausforderungen für die Industrie im Südwesten: „Wir müssen erstens dafür Sorge tragen, dass industrielle Wertschöpfung auch in Zukunft in Baden-Württemberg stattfindet. Nicht nur im Bereich der Entwicklung, sondern auch in der Produktion und bei der Anwendung von Zukunftstechnologien. Zweitens ist die Industriearbeit selber einem Wandel unterworfen. Zusammen mit den Beschäftigten als Experten in eigener Sache müssen wir darüber mitbestimmen, wie Arbeit 4.0 aussehen muss, damit der Mensch nicht zum Anhängsel der Maschine wird.“ Er sei überzeugt, dass der Mensch der steuernde Faktor bleiben werde. „Die IG Metall ist auf den Wandel gut vorbereitet“, versicherte Zitzelsberger und ergänzte: „Ich bin froh, dass sich auch die Landesregierung dieser Herausforderungen annimmt.“

Die Ver.di-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier mahnte, in der oft sehr technikzentriert geführten Diskussion die Grundbedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht zu vergessen. „Die Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können und auch die großen Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter absichern können. Die Frage ist doch: Wer profitiert vom Fortschritt? Ich bin überzeugt: Die durch die Digitalisierung erzielten Gewinne müssen der gesamten Gesellschaft zugutekommen.“

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde auch deutlich, dass Bildung der Schlüssel ist, um die Menschen für den sich beschleunigenden Wandel zu rüsten. Doro Moritz, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg, lobte, dass die Landesregierung in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg gebracht habe. So sei das Defizit bei der Unterrichtsversorgung in den Berufsschulen halbiert worden. „Doch Reformen im Bildungssystem brauchen Zeit. Der eingeschlagene Kurs muss jetzt fortgesetzt werden“, urteilte Moritz. Ihr Ziel sei, eines Tages sagen zu können: „Der Bildungserfolg eines Kindes hängt in Baden-Württemberg nicht mehr wesentlich von der sozialen Herkunft ab.“

 


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