Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 73 - 28.11.2016
Studie zu den Folgen der Energiewende für den Arbeitsmarkt

Die Energiewende wird nur ein Jobmotor, wenn alle Beteiligten darauf hinarbeiten

Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller und der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf haben heute (28.11.) in Stuttgart die erste Studie zum Einfluss der Energiewende auf den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg vorgestellt. „Die Energiewende hat positive Auswirkungen auf die Beschäftigung in Baden-Württemberg. Insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudesektor bieten große Entwicklungschancen für baden-württembergische Unternehmen, die sich dann auch im Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Gleichzeitig bringt die Energiewende auch einen Wandel in der Arbeitswelt mit sich“, fassten Untersteller und Landgraf die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Die Studie wurde von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Beratungsgesellschaft für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung Sustain Consult erstellt. Untersucht wurden sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Effekte der Energiewende auf die Beschäftigung im Land. Die Studie ist die erste, die sich umfassend diesem Thema widmet.

Insgesamt verdienten 2014 gut 56.500 Menschen ihr Geld in Branchen, die direkt oder indirekt von der Energiewende profitierten, ergab die Untersuchung.

37.000 davon arbeiteten im Bereich der erneuerbaren Energien, im Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden und in Unternehmen waren es annähernd 19.000, beim Netzausbau waren es etwa 600.

Umweltminister Franz Untersteller: „Gut jeder 100. Arbeitsplatz im Land hängt mit der Energiewende zusammen. Das ist ein guter Wert, aber sein Potenzial schöpft Baden-Württemberg damit nicht aus. Vor allem in das Geschäftsfeld der Energieeffizienz und der Ressourceneffizienz setzen wir große Hoffnung mit Blick auf künftige Beschäftigungswirkungen. Dass wir das zurecht tun, bescheinigt uns auch die Studie von GWS und Sustain Consult.“

Baden-Württemberg sei ein Land der Forschung und technologischen Innovation sowie ein Land des Exports, erläuterte Untersteller. Für die hier ansässige international wettbewerbsfähige Zulieferindustrie für Technologien der erneuerbaren Energien und für Energieeffizienz böten sich deshalb enorme Chancen.

Dr. Ulrike Lehr von der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung ergänzte: „Wenn die Energiewendeziele und die klimapolitischen Ziele in Deutschland und in Baden-Württemberg ehrgeizig verfolgt werden, hat das Bundesland durch seine Industriestruktur und sein Engagement in etlichen Bereichen der Energiewende eine hervorragende Ausgangsposition.“

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf warnte jedoch davor, sich auf die Energiewende als Jobmotor zu verlassen: „Sie kann sehr wohl positive Effekte auf die Beschäftigung haben, aber es gibt keinen Automatismus. Die Energiewende muss konsequent umgesetzt werden und große Teile der Wertschöpfung müssen im Land bleiben oder neu entstehen. Die Studie zeigt die dazu notwendigen Handlungsfelder auf: von der Qualifizierung der Beschäftigten über einen verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz und die Stärkung der Interessenvertretung bis hin zu einer aktiven Industriepolitik für die untersuchten Branchen. Hier sind die Arbeitgeber gefordert, ebenso wie die Politik, den Veränderungsprozess sozial zu gestalten. Das Ziel muss gute Arbeit für alle Beschäftigten sein.“

Auch Ralf Löckener (Sustain Consult) unterstrich, dass die Energiewende, Stand heute, eine Arbeitswelt im Übergangscharakter zur Folge hat: „Während in traditionellen Bereichen wie Großkraftwerken oder dem Kraftwerksanlagenbau gewachsene Strukturen aufbrechen und Arbeitsplätze verloren gehen, fehlt es in neuen Geschäftsfeldern oft noch an belastbaren Strukturen. Die neuen Tätigkeiten bieten oft mehr Gestaltungsspielräume und Eigenverantwortung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Entgelte und Arbeitsbedingungen sind jedoch zum Teil wenig geregelt, Gewerkschaften und Betriebsräte haben noch nicht richtig Fuß gefasst, der Qualifizierungsbedarf und die Arbeitsbelastung sind oft sehr hoch. Die nötigen Strukturen aufzubauen, braucht sicher noch Zeit.“

Obwohl die Energiewende in ihren Auswirkungen auf die Beschäftigung sicher kein Selbstläufer sei, komme die Studie unterm Strich aber zu dem Ergebnis, dass die Energiewende einen positiven Einfluss sowohl auf die Quantität als auch auf die Qualität der Beschäftigung im Land habe, resümiert Umweltminister Franz Untersteller. „Sowohl beim Ausbau der erneuerbaren Energien als auch als Motor und Impulsgeber für Investitionen in Energieeffizienz und für den Export moderner Technologien wirkt sich der Umbau der Energieerzeugung positiv auf Baden-Württemberg aus. Auch der Netzausbau wird in den kommenden Jahren für mehr Beschäftigung sorgen.“

Die Studie „Energiewende in Baden-Württemberg – Auswirkungen auf die Beschäftigung“ ist auch auf der Homepage des Umweltministeriums nachzulesen unter www.um.baden-wuerttemberg.de

 

Studie "Energiewende in Baden-Württemberg - Auswirkungen auf die Beschäftigung" (PDF, 1 MB)

(November 2016) Die Studie wurde von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und der Beratungsgesellschaft für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung Sustain Consult erstellt. Untersucht wurden sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Effekte der Energiewende auf die Beschäftigung im Land. Die Studie ist die erste, die sich umfassend diesem Thema widmet.


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