Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 02 - 17.01.2023
Bezirksvorstand des DGB Baden-Württemberg zur Fachkräftepolitik

Vorfahrt für Weiterbildung: Baden-Württemberg muss Aktivitäten zur Fachkräftesicherung verstärken

Der DGB Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, mehr zu tun, um heutige und künftige Fachkräftebedarfe zu sichern: Dazu gehören eine Ausbildungsgarantie, zielgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen, die Stärkung der Tarifbindung genauso wie bezahlbarer Wohnraum und eine verlässliche Kinderbetreuung. Der Bezirksvorstand hat heute dazu ein Positionspapier verabschiedet.

Kai Burmeister, Vorsitzender DGB Baden-Württemberg: „Um beim Fachkräftemangel nicht vom Spielfeldrand zuzuschauen, braucht es jetzt entschlossenes Handeln der Landesregierung. Weiterbildung und Qualifizierung müssen stärker unterstützt werden. Im Koalitionsvertrag hat Grün-Schwarz versprochen, Baden-Württemberg zum Musterland für gute Arbeit zu machen. Davon sind wir zwei Jahre nach der Landtagswahl noch ein gutes Stück entfernt.“

Die größten Potenziale zur Gewinnung von Fachkräften liegen in der jungen Generation. Viel zu lange hat es sich unsere Gesellschaft geleistet, junge Menschen in den Schulen auszusieben und von einer qualifizierten Tätigkeit auszuschließen. Es darf nicht so bleiben, dass beinahe jeder vierte Jugendliche seine Ausbildung vorzeitig abbricht. „Die versprochene Ausbildungsgarantie des Landes muss 2023 kommen“, forderte Burmeister.

Der DGB-Landesvorsitzende weiter: „Die lautstarken Klagelieder von Arbeitgeberbänden zum Fachkräftemangel stehen im starken Kontrast zu den Versäumnissen vieler Unternehmen, wenn es in den Werkhallen und Büros konkret wird.“ Die Gewerkschaften zeichnen ein differenzierteres Bild rund um den heutigen und künftigen Fachkräftemangel. Perspektivisch müssten immer mehr rentennahe Facharbeiter*innen ersetzt werden. Doch angesichts von mehr als 400.000 Erwerbslosen – von denen jeder dritte langzeitarbeitslos ist -, könne man gegenwärtig nicht von einem flächendeckenden Fachkräftemangel sprechen. Engpässe gebe es gegenwärtig insbesondere in Branchen der Daseinsvorsorge: in der Pflege, in den Gesundheitsberufen und im Bildungssystem – von der Kita über die allgemeinbildenden bis zu den beruflichen Schulen.

Burmeister weiter: „Grün-Schwarz muss endlich für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege und in den Kitas und Schulen sorgen. Es müssen ebenso mehr Studienplätze für Lehrkräfte geschaffen werden wie neue Lehrerstellen, die nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind.“

Der aktuelle Ruf des Städtetags Baden-Württemberg nach Standardabsenkung bei der Kinderbetreuung markiert die Widersprüche in der Fachkräftedebatte. „Verlässliche Ganztagsbetreuung ist Voraussetzung, damit Eltern erwerbstätig sein können. Der Ruf nach abgesenkten Standards ist das Gegenteil von dem, was für mehr Fachkräfte nötig ist“, so Burmeister. Nur wenn Kinder gut betreut sind, kann ungewollte Teilzeit überwunden werden.

Mit Blick auf die Dekarbonisierung und Digitalisierung braucht es eine langfristige Weiterbildungsstrategie. Dazu heißt es in dem Positionspapier: „Gewerkschaften, Betriebsräte und Personalräte sehen Weiterbildung und Qualifizierung als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fachkräftestrategie. Die ressortübergreifende Weiterbildungsstrategie des Landes und bestehende Qualifizierungstarifverträge in der Industrie bilden zusammen geeignete Voraussetzungen zur Steigerung der Weiterbildungsbeteiligung.“

Der DGB-Bezirksvorstand fordert die Landesregierung auf, das im Koalitionsvertrag angekündigte Qualifizierungseinkommen einzuführen. Sinnvoll wäre es, das vom Bund geplante Qualifzierungsgeld mit einem vom Land finanzierten Qualifizierungseinkommen zu verzahnen. Weitere wesentliche Punkte zur Fachkräftesicherung sieht der DGB in einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und älterer Beschäftigter sowie in einer Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte und besseren Integrationschancen von bereits hier lebenden Menschen mit Mitgrationshintergrund.

Das Positionspapier finden Sie nachfolgend zum Download:


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