Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 19 - 26.03.2020
DGB-Rentenreport Baden-Württemberg 2020

Renten unter 800 Euro keine Seltenheit

Auch in Baden-Württemberg zeigt sich das politisch gewollt sinkende Rentenniveau bei den aktuellen Zahlbeträgen. Demnach beträgt die gesetzliche Rente eines Mannes, der neu Altersrente bezieht, durchschnittlich 1.176 Euro im Monat. Die durchschnittliche Altersrente aller Männer liegt hingegen bei 1.260 Euro. Die Lücke zwischen Neu- und Altrentnern beträgt demnach mittlerweile monatlich 84 Euro. Das geht aus dem DGB-Rentenreport Baden-Württemberg 2020 hervor. Er basiert auf Zahlen von 2018.

Frauen sind gegenüber Männern deutlich schlechter gestellt. Die durchschnittliche Rente von Neurentnerinnen beträgt lediglich 740 Euro – im Vergleich zu den 1.176 Euro bei den Männern. Der sogenannte Gender-Pension-Gap beläuft sich somit auf 436 Euro im Monat.

Die Höhe der Rente bei den Männern variiert jedoch erheblich: Jeder Dritte (30 Prozent) erreicht nicht das Grundsicherungsniveau von 800 Euro. 40,9 Prozent der Männer erhalten allerdings auch Renten, die höher sind als 1.400 Euro im Monat.

Frauen sind schon jetzt häufig von Einkommensarmut im Alter betroffen: 58,9 Prozent erreichen mit ihrer Rente nicht das Grundsicherungsniveau von etwa 800 Euro. Mehr als ein Drittel (34,4 Prozent) erhalten weniger als 500 Euro.

Die Zahl der älteren Menschen, die Grundsicherungsleistungen beziehen, hat sich von 16.659 Personen im Jahr 2003 auf 39.960 im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. „Realistisch muss man davon ausgehen, dass noch viel mehr Menschen Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben. Sie stellen aber keinen Antrag, weil sie sich schämen oder mit der Bürokratie überfordert sind. Deshalb ist die Einführung der Grundrente so wichtig. Hier muss niemand eigens einen Antrag stellen“, sagte der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann.

Der Rentenreport widerlege die häufig geäußerte These, dass eine leistungsstarke gesetzliche Rente angesichts der demografischen Entwicklung nicht mehr möglich sei. Kunzmann weiter: „Die entscheidenden Größen sind das Wirtschaftswachstum und die Produktivität einer Volkswirtschaft. Letztlich geht es um Verteilungsfragen: Wie viel will unsere Gesellschaft den älteren Menschen zukommen lassen? Wie viel zahlen Arbeitgeber und Versicherte? Welchen Anteil übernimmt der Staat?“ Seit 1993 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Südwesten deutlich stärker gestiegen als die Renten. Während das BIP um rund 90 Prozent geklettert ist, sind letztere lediglich um rund 40 Prozent gewachsen.

Neben der Absenkung des Rentenniveaus trägt auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu geringeren Renten bei. „Aus guter Arbeit folgen auskömmliche Renten. Deshalb gilt es, prekäre Niedriglohnarbeit zurückzudrängen und mehr tarifliche Bezahlung durchzusetzen. Die Vermeidung von Altersarmut muss zu einer zentralen Aufgabe der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik werden“, sagte der DGB-Landesvorsitzende. Konkret fordert der DGB die Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus bei 48 Prozent und in einem weiteren Schritt die Anhebung auf 50 Prozent. Die kapitalgedeckte Privatvorsorge habe sich als untauglich erwiesen. Kunzmann weiter: „Die gesetzliche Rente ist die verlässliche Säule zur Alterssicherung. Sie muss die Grundlage bleiben für ein gutes Leben im Alter. Deshalb sollte sie schrittweise zu einer Erwerbstätigenversicherung ausgebaut werden. Im ersten Schritt sollten Solo-Selbstständige einbezogen werden.“

Den DGB-Rentenreport Baden-Württemberg 2020 finden sie hier.

 

Ansprechpartner:
Jendrik Scholz, Abteilungsleiter Arbeits- und Sozialpolitik beim DGB Baden-Württemberg (jendrik.scholz@dgb.de oder mobil 0157 717 308 74)


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