Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 06 - 07.02.2019
Zumeldung zum Bericht in der Stuttgarter Zeitung „Fachkräftemangel ist das größte Problem“

Der flächendeckende Fachkräftemangel ist ein Gespenst

Der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann widerspricht der These der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart, wonach ein angeblicher Fachkräftemangel ein Hemmschuh für weiteres Wachstum sei.

Diese These hatte der DGB unlängst von seinem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) kritisch untersuchen lassen. Demnach zeichnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein verzerrtes Bild von der Lage am Arbeitsmarkt.

Kunzmann: „Es gibt hier und dort Fachkräfteengpässe, aber keinen flächendeckenden Mangel - schon gar nicht in den Branchen, die insgesamt keine hohen Qualifikationsansprüche stellen. Im Gegenteil: Gerade in den Niedriglohnbranchen herrscht eine hohe Personalfluktuation. Die Arbeitgeber klagen ganz bewusst über den angeblich so schlimmen Fachkräftemangel. Dabei ist das Ziel, Entgelte zu drücken und größere Lohnzuwächse für die Beschäftigten zu vermeiden."

Gäbe es bedeutende Fachkräfteengpässe, müssten nach den Regeln der Marktwirtschaft die Entgelte spürbar steigen. Tatsächlich sei die Entwicklung der Löhne und der Lohnstückkosten in Deutschland und Baden-Württemberg in den vergangenen 16 Jahren aber deutlich abgefallen gegenüber dem Euroraum. 

"Fachkräftemängel, so sie denn tatsächlich bestehen, seien meist hausgemacht. Wer junge Menschen ausbildet sowie seine Leute ordentlich bezahlt und behandelt, müsse auch keine Personalengpässe fürchten“, argumentierte der DGB-Landesvorsitzende.

Er forderte die Arbeitgeber und Kammern auf, endlich die Missstände in der Berufsausbildung anzupacken. Dass es hier in der Vergangenheit große Versäumnisse gab, zeigten die Befragungen aus dem Mikrozensus. Demnach verfügen nur 81 Prozent aller jungen Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren in Baden-Württemberg über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Das Volumen des bisher nicht gehobenen Fachkräftepotenzials umfasse also ein knappes Fünftel der jungen Generation – das sind rund 194.000 Männer und Frauen.

„Die Ausbildungsbilanz der Arbeitgeber und Kammern ist demzufolge nach zehn Boomjahren nicht besonders positiv", kritisierte Kunzmann. Den betroffenen 25- bis 35-Jährigen drohe im Falle einer Konjunkturabschwächung als erste die Arbeitslosigkeit.


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