Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 15 - 18.03.2019

DGB zum Equal Pay Day

Grundrente muss zügig eingeführt werden

Frenzer-Wolf: Von der Grundrente würden zu 75 Prozent Frauen profitieren

In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, arbeiten also bis zum 18. März des Folgejahres unbezahlt. In Baden-Württemberg ist die Entgeltlücke mit 27 Prozent mit Abstand die höchste. So gesehen fällt der Equal Pay Day im Land erst auf den 9. April. Um diese Lohnungerechtigkeit anzuprangern, finden heute bundesweit zahlreiche gewerkschaftliche Aktionen statt, darunter auch in Stuttgart.

„Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern darf nicht als unabänderlich hingenommen werden und auch nicht mit Zahlentricks kleingerechnet werden. Im Gegenteil. Sie kann mit einer anderen Politik und geschlechtergerechten Gehaltsstrukturen geschlossen werden“, sagte Gabriele Frenzer-Wolf, die stellvertretende Vorsitzende des DGB Baden-Württemberg. Der DGB und die Gewerkschaften haben für den Equal Pay Day das Motto „Recht auf mehr! ausgerufen.

Frenzer-Wolf weiter: „Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Gleichstellung im Grundgesetz. Von echter Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind wir angesichts der ungleichen Bezahlung und wachsender weiblicher Altersarmut aber noch weit entfernt. Denn ein niedriges Einkommen bedeutet eine noch niedrigere Rente im Alter. Aktuell bekommen Frauen durchschnittlich 53 Prozent weniger Rente als Männer!“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund dringe darauf, dass die Bundesregierung im Interesse von Millionen Menschen die überfällige Grundrente nun zügig beschließe. Denn von ihr würden zu 75 Prozent Frauen profitieren. „Die Lebensleistung von Beschäftigten, die 35 Jahre und mehr gearbeitet haben, muss endlich gewürdigt werden. Deshalb lehnt der DGB auch eine Bedürftigkeitsprüfung bei der Grundrente ab. Sie ist kein Almosen, sondern eine Versicherungsleistung, mit der Niedriglöhne während der Erwerbsphase zumindest teilweise ausgeglichen werden sollen“, argumentiert Frenzer-Wolf.

Der massiven Rentenlücke müsse mit guter Bezahlung, sozial abgesicherten Arbeitsplätzen und vereinbarkeitsfreundlichen Arbeitszeiten entgegengewirkt werden. Auch das Land müsse seine Verantwortung wahrnehmen, unterstrich die DGB-Vize: „Dazu gehört, dass die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Einhaltung von Tarifverträgen gebunden wird, denn Tarifbindung senkt die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern erheblich. Darüber hinaus gehörte zu einer chancengerechten Politik, dass die Landesregierung die im Koalitionsvertrag vorgesehenen Maßnahmen für eine diskriminierungsfreie Arbeitsbewertung im öffentlichen Dienst und ein geschlechtergerecht gestaltetes Beurteilungswesen nun beherzt umsetzt.“

Der DGB Landesbezirk ruft heute gemeinsam mit anderen Organisationen zu einer Aktion auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf. Von 17:35 bis 17:50 Uhr wird es einen Smartmob als Zeichen des Protestes gegen den verfestigten Gender Pay Gap geben.


Hintergrund:

Der Gender Pay Gap ist ein Strukturindikator der amtlichen Statistik, der den Unterschied der Bruttostundenverdienste von Frauen und Männer misst. Er berechnet sich aus der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst (ohne Sonderzahlungen) der Männer und dem Bruttostundenverdienst der Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer.

Die Entgeltlücke in Deutschland hat sich bei rund 21 Prozent verfestigt. Damit liegt Deutschland an drittletzter Stelle nach Estland und Tschechien unter den Ländern der Europäischen Union. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Gender_pay_gap_statistics

Im Bundesländervergleich ist die Entgeltlücke in Baden-Württemberg mit Abstand die höchste. https://www.statistik.rlp.de/no_cache/de/gesamtwirtschaft-umwelt/verdienste-und-arbeitskosten/pressemitteilungen/einzelansicht/news/detail/News/2412/

Demgegenüber berechnet das Statistische Landesamt die Entgeltlücke in Baden-Württemberg mit lediglich 20,8 Prozent. Hier wurden jedoch ausschließlich die Verdienste Vollzeitbeschäftigter in die Berechnung einbezogen, Teilzeitbeschäftigte – darunter viele Frauen – blieben außen vor. https://www.statistik-bw.de/Presse/Pressemitteilungen/2018054

 

 


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