Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 30 - 08.06.2021
Gemeinsame Pressemitteilung Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit und DGB Baden-Württemberg

Eine Ausbildungsgarantie ist der richtige Weg

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) begrüßen, dass sich die Regierungsparteien Grüne und CDU auf die Einführung einer Ausbildungsgarantie verständigt haben. Beide Organisationen dringen auf eine konkrete Ausgestaltung der Garantie. Angesichts der mutmaßlich in den kommenden Jahren angespannten Situation auf dem Ausbildungsmarkt bedarf es eines umfassenden Konzeptes, allen ausbildungsinteressierten jungen Menschen ein Angebot zu machen.

2020 wurden mehr als zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Baden-Württemberg ist eines der Länder mit dem höchsten Anteil an an- und ungelernten Beschäftigten. In der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren haben 194.000 Menschen oder 13,4 Prozent überhaupt keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Absoluten Vorrang müsse, wie im Koalitionsvertrag festgehalten, die betriebliche Ausbildung haben. Sinnvoll ist ein dreistufiges Modell: Wenn keine Vermittlung in einen Betrieb gelinge, sei die nächste Stufe die Vermittlung in eine überbetriebliche Verbundausbildung. In der dritten Stufe dann die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger. Das könne ein Maßnahmenträger oder eine berufsbildende Schule sein. Dort müsse weiterhin die Vermittlung in eine reguläre Ausbildung das Ziel bleiben. Hierfür müssten entsprechende Anreize gesetzt werden.

Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit: „Viele junge Menschen konzentrieren sich unter den derzeitigen – rein virtuellen – Bedingungen vor allem auf ihren Schulabschluss und warten lieber ein Jahr, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden. Perspektivisch verschlechtert sich dadurch die Stellen-Bewerber-Relation in den kommenden Jahren dramatisch: Durch künftige Schulabgängerinnen und Schulabgänger wird die Konkurrenz stärker, und die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber nimmt zu. Im schlimmsten Fall steigen dann mit anziehender Konjunktur mehr junge Menschen ohne Ausbildung in die Arbeitswelt ein, wodurch sich das Risiko von Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit massiv erhöht. Dieser Entwicklung wollen wir vorbeugen.“

Martin Kunzmann, Vorsitzender DGB Baden-Württemberg: „Die Ausbildungsgarantie ist der zentrale Anker, um allen jungen Menschen ein Angebot machen zu können. Zentral aus gewerkschaftlicher Sicht ist, dass kein Zwei-Klassen-System entsteht: Die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger muss inhaltlich und formal gleichwertig gegenüber einer betrieblichen Ausbildung sein. Teilqualifizierungen lehnen wir ab. Bei der Qualität dürfen keine Abstriche gemacht werden.“ Es sei sehr zu begrüßen, dass sich die Koalitionäre zu einer hohen Ausbildungsqualität wie zur Anwendung von Tarifverträgen oder der Mindestausbildungsvergütung bekennen.

Der DGB sieht die Verantwortung für Ausbildung und Fachkräftesicherung ganz eindeutig bei den Betrieben. Schon vor der Pandemie hatte nur noch jeder fünfte Betrieb im Land ausgebildet. Mit schrumpfenden Ausbildungskapazitäten könne man dem Fachkräftemangel jedoch nicht entgegenwirken.

Kunzmann weiter: „Während der Corona-Krise sind staatliche Hilfen für die Ausbildung sinnvoll. Grundsätzlich müssen aber die Unternehmen an der Finanzierung der dualen Berufsausbildung beteiligt werden. Das gelingt mit einer Ausbildungsumlage. Betriebe, die ausbilden, bekommen eine finanzielle Unterstützung aus dem Fonds. Wichtig ist zudem, dass die Landesregierung die flankierenden Maßnahmen wie das Azubiticket und das Thema Azubiwohnen aufgreift.“

 


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