Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 72 - 15.10.2020

DGB verleiht den Mitbestimmungspreis „Gute Arbeit – ausgezeichnet“

Geehrt werden fünf Mitbestimmungsgremien aus Baden-Württemberg

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Baden-Württemberg verleiht zum zweiten Mal seinen Mitbestimmungspreis „Gute Arbeit – ausgezeichnet“, mit dem vorbildliche Projekte von Mitbestimmungsgremien in Baden-Württemberg gewürdigt werden. Die diesjährigen Preisträger sind zwei Betriebsräte, ein Personalrat und zwei Jugend- und Ausbildungsvertretungen (JAV). Der Preis ist nicht dotiert und wird seit 2018 alle zwei Jahre ausgeschrieben. Die Schirmherrschaft hat die Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut übernommen. Die in Stuttgart geplante persönliche Übergabe der Preise durch die Ministerin und den DGB-Landesvorsitzenden Martin Kunzmann konnte leider nicht stattfinden, weil die Corona-Infektionszahlen in der Landeshauptstadt stark gestiegen sind.

Martin Kunzmann, Vorsitzender DGB Baden-Württemberg: „Mitbestimmung bedeutet gelebte Demokratie in Betrieben und Verwaltungen. Unsere Betriebs- und Personalräte sorgen für bessere Arbeitsbedingungen für ihre Kolleginnen und Kollegen. Unsere Jugend- und Auszubildendenvertretungen setzen sich dafür ein, dass die Interessen von Jugendlichen und Auszubildenden angemessen vertreten werden.“ Eine zentrale Aufgabe der Mitbestimmungsgremien sei, dafür zu sorgen, dass die relevanten Gesetze und die Tarifverträge im Interesse der Beschäftigten angewandt werden. „Die beste Vereinbarung nützt nichts, wenn sie nur auf dem Papier steht“, so Kunzmann weiter. Ebenso wichtig seien innovative Vereinbarungen etwa zur Arbeitszeitgestaltung, zu Qualifizierungsangeboten, zur Zukunftssicherung und zur Übernahme von Auszubildenden. Die diesjährigen Preisträger hätten hier Vorbildliches erreicht.

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: „Eine starke und konstruktive Mitbestimmung ist ein Erfolgsfaktor für viele Unternehmen in Baden-Württemberg. Heute gilt es, die Arbeitswelt von morgen mitzugestalten. Die prämierten Betriebs- und Personalräte, aber auch die Jugendvertretungen, stellen mit ihren innovativen Projekten eindrücklich unter Beweis, dass sich ein aktives Engagement lohnt – für die Unternehmen und für die Beschäftigten. Ihre Projekte sind gelebte Vorbilder für andere Interessenvertretungen.“

 

Der Mitbestimmungspreis wird verliehen an:

Betriebsrat der Rolls-Royce Power Systems AG, Friedrichshafen:

Die Vereinbarungen zu Arbeitszeitmodellen bei Roll-Royce in Friedrichshafen sind wegweisend. Dem Betriebsrat ist es gelungen, mit dem Unternehmen Vereinbarungen zu treffen, die die Interessen der Beschäftigten nach Zeitsouveränität mit den betrieblichen Anforderungen des Unternehmens und den gesellschaftlichen Herausforderungen vereinbar machen. Die Belegschaftsvertreter haben dabei den bestehenden Rahmen durch Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge kreativ und innovativ gefüllt. Durch das Drei-Konten-Modell konnten Regeln für das Befüllen und die Entnahme von Zeitguthaben klar definiert werden. Die Arbeitszeitregelung bei Rolls-Royce ist kein „kleinster gemeinsamer Nenner“, sondern zukunftsweisend.

 

Betriebsrat der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG, Göppingen:

Die Themen Personalentwicklung und Qualifizierung werden häufig klassischen Angestelltenbereichen zugeschrieben. Nicht so bei Leonhard Weiss: hier hat der Betriebsrat für alle Beschäftigtengruppen im Baugewerbe erreicht, dass der aktuelle Stand, persönliche Perspektiven und Qualifizierungsbedarfe regelmäßig besprochen und vereinbart werden. Damit arbeiten die Belegschaftsvertreter aktiv dem „Matthäus-Prinzip“ entgegen („Wer hat, dem wird gegeben“). Sie wirken mit Hilfe einer konkreten Qualifizierungsmatrix auf eine gerechte Entlohnung und individuelle Entwicklungsperspektiven hin.

 

Personalrat der Kreissparkasse Ostalb, Aalen:

Der Personalrat der Kreissparkasse Ostalb hat nicht gewartet, bis Arbeit und Beschäftigung aufgrund der Digitalisierung von Geschäftsprozessen gefährdet sind. Mit seiner Dienstvereinbarung zur Zukunftssicherung hat das Gremium den Schritt gemacht, die digitale Transformation aktiv zu gestalten. Es hat sich zum Ziel gesetzt, dabei alle Beschäftigte mitzunehmen und niemanden „überflüssig“ werden zu lassen. Während vielerorts die Notwendigkeit von Qualifizierung diskutiert wird, wird sie gemeinsam mit den Beschäftigten der Kreissparkasse Ostalb umgesetzt. So stellen wir uns eine verantwortliche Gestaltung der Digitalisierung vor.

 

Jugend- und Auszubildendenvertretung des Landratsamtes Enzkreis, Pforzheim:

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung des Landratsamts Enzkreis hat einen Zustand angepackt und behoben, der vielerorts anzutreffen ist: Auszubildende wissen gegen Ende der Ausbildung nicht, ob sie übernommen oder wo sie zu welchen Bedingungen eingesetzt werden. Damit wollten sich die jungen Leute nicht abfinden, sondern haben sich über Ziele und Vorgehen verständigt – und sich auch nicht von Widerstand abhalten lassen. Die Jury freut sich über den Erfolg, der jungen Beschäftigten eine echte Perspektive im öffentlichen Dienst eröffnet.

 

Jugend- und Auszubildendenvertretung des Uniklinikums Ulm, Ulm:

Die Jugendvertretung des Uniklinikums Ulm beweist mit ihrem Engagement, dass die Arbeitswelt und die berufliche Ausbildung keine losgelösten Raumschiffe sind, sondern dass dort alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens hineinspielen. Sie haben die Themen gesunde und klimagerechte Ernährung sowie das Problem der Lebensmittelverschwendung aufgegriffen und bezogen auf ihre konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen Lösungen gesucht – und gefunden. Auch das kann zu den Aufgaben der Interessenvertretung gehören. Die Meinung der Jury: Respekt für diese tolle Verbindung von gesellschaftlichen Herausforderungen und betrieblichen Lösungen!

 


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