Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 51 - 15.08.2012

DGB-Landeschef Nikolaus Landgraf warnt vor zunehmender Altersarmut im Land - Beitragssatzsenkung "verantwortungslos"

Durchschnittsrente sinkt von 779 Euro auf nur noch 672 Euro im Jahr 2030

Landgraf nennt geplante Beitragssatzsenkung „verantwortungslos“

DGB will mit 2,60 Euro mehr Beitrag monatlich die gesetzliche Rente zukunftsfest machen 

DGB-Landeschef Nikolaus Landgraf, gleichzeitig auch alternierender Vorstandsvorsitzender der DRV Baden-Württemberg, warnt vor zunehmender Altersarmut im Land: „Wenn es bei der bisherigen Politik der Bundesregierung bleibt, das Niveau der gesetzlichen Rente von 51 auf 44 Prozent im Jahr 2030 zu senken, wird die durchschnittliche Nettorente im Land von jetzt 779 Euro auf 672 Euro sinken. Dass die Bundesregierung angesichts solcher Zahlen den Beitragssatz auf 19 Prozent senken will und damit die Rücklagen der Rentenversicherung angreift, ist verantwortungslos. Um die gesetzliche Rente wieder armutsfest zu machen, müssen wir schnellstens umsteuern. Wir müssen die Senkung des Rentenbeitrags verhindern, weil wir das sonst mit weiteren Rentenkürzungen bezahlen. Statt die Rentenkassen zu plündern brauchen wir eine nachhaltige Politik gegen Altersarmut. Dazu gehört ein Austrocknen des Niedriglohnsektors und eine Wende in der Rentenpolitik.“ 

Der DGB schlägt als Alternative vor, ab 2014 den Beitragssatz für Arbeitnehmer und Arbeitgeber schrittweise um je 0,1 Beitragssatzpunkte anzuheben, bis er im Jahr 2025 fast 22 Prozent erreicht. Dem moderat steigenden Beitrag stünden deutliche Leistungsverbesserungen gegenüber, auch könnten damit Rücklagen für die Zukunft aufgebaut werden. Die vom Gesetzgeber gewollte Beitragsgrenze von 22 Prozent im Jahr 2030 würde nicht überschritten, weitere Rentenkürzungen könnten verhindert und auch die Erwerbsminderungsrente könnte spürbar verbessert werden. Sogar die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre könnte nach dem DGB-Finanzierungskonzept ausgesetzt werden. „Ein Durchschnittsverdiener muss für diese Verbesserungen lediglich 2,60 Euro mehr im Monat aufbringen – damit machen wir die gesetzliche Rente zukunftsfest“, so Landgraf.

Im Jahr 2011 lagen die Alters-Renten in Baden-Württemberg nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung im Durchschnitt bei 779,24 Euro. Hätten wir heute schon das von der Bundesregierung anvisierte Rentenniveau von 44 Prozent im Jahr 2030 statt jetzt 51 Prozent, läge die durchschnittliche Rente danach im Land bei nur noch rund 672,29 Euro anstelle von 779,24 Euro. Die Durchschnittsrente für Männer würde von heute 1031,89 Euro auf 890,26 Euro sinken, die Durchschnittsrente für Frauen von 558,93 Euro auf 482,21 Euro. Bei den Männern sei dies immer noch mehr als die derzeit geplante Zuschussrente (netto 765 Euro) – was nicht gerade für dieses Konzept spreche.

Noch problematischer sei die Situation bei Menschen, die auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen sind - laut Statistischem Landesamt sind das rund 79.100, 18 Prozent mehr als 2006. Die Umsetzung der Rente mit 67 werde die Situation vieler künftiger Rentnerinnen und Rentner noch verschärfen, so Landgraf. Heute seien nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur rund 30 Prozent der 60- bis 64-Jährigen in Baden-Württemberg sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Viele Beschäftigte müssten aus gesundheitlichen Gründen mit hohen Abschlägen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente im Land liege bei nur noch 625 Euro.

„Mit der Politik der Bundesregierung sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente immer weiter ab, mit dem DGB-Rentenkonzept machen wir die gesetzliche Rente zukunftsfest“, so der DGB-Landeschef. Es sei damit möglich, das heutige Rentenniveau bis 2030 aufrecht zu erhalten und zusätzlich die Erwerbsminderungsrente sowie das Reha-Budget deutlich zu verbessern. Trotz dieser Verbesserungen bleibe im Jahr 2030 noch eine Reserve von 182 Milliarden Euro, so dass auch auf die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre verzichtet werden könne.

Jürgen Klose
DGB-Pressestelle

Mehr Informationen zum DGB-Rentenkonzept:

http://www.dgb.de/-/f0Z

http://www.ichwillrente.net/die-kampagne/rente-mit-zukunft/#c1243


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