Deutscher Gewerkschaftsbund

20.02.2013

Entgeltgerechtigkeit: Lücken beim Einkommen finden und schließen

Sie will sich einfach nicht schließen: die Lücke zwischen den Einkommen von Männern und Frauen. Im Schnitt verdienen Frauen fast 22 Prozent weniger als Männer. Seit Jahren.

Die 22 Prozent beschreiben den Abstand zwischen den Geschlechtern über alle Berufe und Beschäftigungsformen hinweg. Für Kritiker ein Vergleich von Äpfeln und Birnen, weil Frauen häufiger Teilzeit arbeiten oder weil sie Berufe wählen, die schlechter bezahlt sind. Sie übersehen allerdings, dass dahinter oft Diskriminierung steckt. So werden Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, oft schlechter bezahlt, obwohl sie gleiche Anforderungen stellen wie jene, die Männer bevorzugen.

Und: Selbst wenn die Statistik Männer und Frauen mit gleichen Abschlüssen und Berufen in den gleichen Branchen vergleicht, bleibt eine Differenz von 8 bis 13 Prozent.

»Auf geht’s.«
In Betrieben mit Tarifvertrag ist der Abstand zwischen den Einkommen kleiner. Genaue Zahlen kennt Christiane Benner nicht, aber sie möchte sie herausfinden. »Wir wollen in möglichst vielen Betrieben die Entgelte von Männern und Frauen vergleichen«, sagt das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall. »Unser Ziel ist es, die Einkommenslücke zu schließen.«

Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen Geschlechtern. Das will die IG Metall mit ihrer Initiative »Auf geht’s – faires Entgelt für Frauen« unterstreichen. In drei Schritten sollen sich Projektbetriebe auf den Weg zu mehr Entgeltgerechtigkeit machen:
-> Sie schauen sich die Entgeltstruktur nach Geschlecht an.
-> Sie suchen nach Ursachen für mögliche Diskriminierungen bei der Bezahlung.
-> Sie überlegen, wie sie solche Ungerechtigkeiten abstellen.

Mit Recht.
Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit. Laut Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) haben Betriebsräte die Aufgabe, Ungleichheiten zu verringern und zu beseitigen. Nach Paragraf 75 Absatz 1 müssen sowohl der ­Betriebsrat als auch der Arbeitgeber darüber wachen, dass ­niemand aufgrund des Geschlechts benachteiligt wird. Die Gleichstellung von Männern und Frauen soll der Betriebsrat fördern. Das regelt Paragraf 80 Absatz 2a. Immer mitbestimmungspflichtig sind Fragen zur Lohngestaltung (Paragraf 87 Absatz 1 Nummern 10 und 11). Wer Entgeltgleichheit durchsetzen will, kann sich auch auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz stützen. Wichtig ist nur: Betriebsräte und Vertrauensleute müssen es anpacken.

Dieser Artikel ist erschienen in 'direkt' (Der Infodienst der IG Metall) 02/2013
Link: http://igm.proweblog.de/02-2013/internationaler-frauentag-2013-4/

 


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Betriebsräte leisten exzellente Arbeit
Immer öfter müssen Belegschaften bei Betriebsratswahlen und dem Kampf um Tarifverträge heftige Widerstände der Arbeitgeber überwinden. Zwei Beispiele aus Nordbaden zeigen, wie betriebliches und gewerkschaftliches Engagement zum Erfolg führt. Ein Besuch bei der IG Metall in Gaggenau. weiterlesen …
Pressemeldung
DGB zum Equal Pay Day
In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, arbeiten also bis zum 18. März des Folgejahres unbezahlt. In Baden-Württemberg ist die Entgeltlücke mit 27 Prozent mit Abstand die höchste. So gesehen fällt der Equal Pay Day im Land erst auf den 9. April. Um diese Lohnungerechtigkeit anzuprangern, finden heute bundesweit zahlreiche gewerkschaftliche Aktionen statt, darunter auch in Stuttgart. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
DGB verleiht erstmals Mitbestimmungspreis
Der DGB Baden-Württemberg verleiht am heutigen Dienstag erstmals den von ihm geschaffenen Mitbestimmungspreis „Gute Arbeit – ausgezeichnet“. Geehrt werden fünf Mitbestimmungsgremien für innovative und beispielhafte Projekte. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Betriebs- und Personalräteempfangs statt, zu dem die Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut einlädt. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten