Deutscher Gewerkschaftsbund

28.02.2013

Gute Arbeit: Stress Grenzen setzen

Die Weltgesundheitsorganisation zählt ihn zu den größten Gesundsheitsrisiken des 21. Jahrhunderts: beruflichen Stress. Die IG Metall will ihm mit einer eigenen Verordnung zu Leibe rücken. Die Arbeitgeber mauern. Nun starten einige Landesregierungen eine Bundesratsinitiative.

Für alles gibt es Grenzen: für Lärm oder Strahlung, für die Konzentration von giftigen Stoffen im Trinkwasser oder in der Luft. Nur nicht für Stress. Zeitdruck, Hetze, Überstunden nehmen seit Jahren zu. Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten haben den Eindruck, immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit schaffen zu müssen. Rund 56 Prozent fühlen sich am Arbeitsplatz gehetzt. Frauen mehr als Männer. Nur der menschliche Körper setzt dem Stress eine Grenze. Er wird auf Dauer krank. Die Zahl der Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich zwischen 1996 und 2011 auf 41 Prozent verdoppelt. Beschäftigte fehlen immer häufiger, weil die Psyche schlapp macht. Bei der AOK nehmen die Krankentage durch psychische Erkrankungen mit 22,5 pro Fall inzwischen den Spitzenplatzein. Die Weltgesundheitsorganisation nennt beruflichen Stress eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts.

Klarheit schaffen. 
Höchste Zeit, dem Stress am Arbeitsplatz Grenzen zu setzen. Die IG Metall hat eine Anti-Stress-Verordnung entworfen, die Beschäftigte vor Überlastung schützen soll. Aus dem Arbeitsschutzrecht erschließt sich  bislang nur indirekt, dass Arbeitge- ber psychische Belastungen abstellen müssen. Sie sind verpflichtet, Gefahren am Arbeitsplatz zu beurteilen und abzustellen. Nicht alle tun das und nur die wenigsten untersuchen die psychischen Belastungen. Von den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten nur jeder fünfte, und von Kleinbetrieben nur sechs Prozent.

Arbeitgeber mauern.
Auf die Einsicht der Arbeitgeber hofft Hans-Jürgen Urban daher nicht mehr. »Sie mauern«, sagt das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall. So kam eine gemeinsame Erklärung von Bundesregierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften Ende Januar nicht zustande, weil die Arbeitgeberseite sehr kurzfristig absprang. »Dieser Ignoranz kann die Politik nur mit einer verbindlichen Regelung beikommen«, sagt Urban. Eine Anti-Stress-Verordnung würde Klarheit schaffen, worum sich Arbeitgeber kümmern und was sie abstellen müssen. Ein Ziel könnte sein, dass Arbeitgeber vor einem Projekt prüfen müssen, ob das Projektziel unter den gegebenen Bedingungen erreicht werden kann, ohne dass die Gesundheit der Beschäftigten leidet. Wenn Arbeit zu monoton ist, müssen Arbeitgeber für Abwechslung sorgen.
Unterstützung findet die IG Metall für ihren Vorschlag bei allen Oppositionsparteien. Mehrere Landesregierungen bereiten zurzeit eine Bundesratsinitiative für eine Anti-Stress-Verordnung vor. »Es gibt eine breite Allianz gegen Stress am Arbeitsplatz«, sagt Urban, »und sie ist auf einem gutenWeg.« 

Fabienne.Melzer@igmetall.de

Dieser Artikel ist erschienen in der 'metallzeitung' 03/März 2013
Link: http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/internet/style.xsl/metallzeitung-nr-03-maerz-2013-11313.htm


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