Deutscher Gewerkschaftsbund

21.06.2018
Solidaritätserklärung

Für Qualitätsjournalismus braucht es gute Arbeitsbedingungen!

Tageszeitungsredakteurinnen und -redakteure stimmen über Streiks ab

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit Jahren müssen die Redakteurinnen und Redakteure der Tageszeitungen Reallohnverluste hinnehmen. Die Tarifbindung in der Branche nimmt ab, weil sich die Verleger in tariflose Mitgliedschaften im Arbeitgeberverband flüchten. Freie Journalistinnen und Journalisten arbeiten zu beschämend schlechten Konditionen und erhalten oft über Jahre keine Honorarerhöhungen.

Der DGB Baden-Württemberg erklärt sich mit den Kolleginnen und Kollegen solidarisch, die nun über unbefristete Streiks abstimmen. Die Hartleibigkeit der Verleger hat diesen Schritt notwendig gemacht. Die moderate Forderung der Deutsche Journalistinnen und Journalisten Union (dju in ver.di) und des Deutschen Journalistenverbandes nach einer Entgelterhöhung von zuletzt 2,8 Prozent wurde von ihnen zurückgewiesen. 

Der Berufsstand wird durch Redaktionszusammenlegungen, Personalabbau, Outsourcing von Redaktionen in tariflose Tochtergesellschaften und einer wachsenden Arbeitsverdichtung und Reallohneinbußen zunehmend entwertet. Für die Versäumnisse der Verleger, in den wirtschaftlich hervorragenden Jahren neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, büßen die Redakteurinnen und Redakteure. Sie halten trotz der sich verschlechternden Arbeitsbedingungen ihr Berufsethos hoch.

Auf der anderen Seite werden Journalistinnen und Journalisten als „Lügenpresse“ beschimpft, werden von Rechtspopulisten verbal attackiert und in den sozialen Medien als Teil des Establishments verhöhnt. Gewiefte Medienanwälte überziehen Redaktionen mit Klageandrohungen, wenn diese über ihre zumeist prominenten Mandantinnen und Mandanten berichten wollen. Eigenständige, aufwendige Recherchen sind immer weniger möglich. Doch die Leserinnen und Leser erwarten von „ihrer“ Zeitung, dass sie Profil zeigt und mehr liefert als die Schlagzeilen, die überall zu lesen und zu hören sind.

Ohne guten, fundierten Journalismus nimmt unsere Gesellschaft Schaden. Verlässliche Informationsquellen, investigative Recherchen und sachkundige Kommentare helfen uns allen, uns ein Bild von einer immer komplexer werdenden Welt zu machen. Ohne Qualitätsjournalismus wären wir in den Filterblasen der sozialen Netzwerke gefangen. In Zeiten, in denen jeder ungeprüft Informationen und Falschmeldungen aller Art verbreiten kann, kommt dem seriösen Journalismus ein besonderer Stellenwert zu.    

Deshalb unterstützt der DGB Baden-Württemberg euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, in eurem engagierten Arbeitskampf. Unsere Solidarität habt ihr! Wir wünschen euch, dass die Verleger endlich bereit sind, eure Arbeit angemessen wertzuschätzen! Wir alle sind auf eure gute Arbeit angewiesen!

Martin Kunzmann
Vorsitzender

Gabriele Frenzer-Wolf
Stellvertretende Vorsitzende

 

 


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