Krise mit Ansage – jetzt braucht es Investitionen statt Sozialabbau

Datum

Dachzeile Stark in Arbeit 01/2026

Die deutsche Industrie steckt seit fünf Jahren einer Kombination aus Konjunktur- und Strukturkrise. Auch Baden-Württemberg kommt seit 2022 wirtschaftlich nicht mehr vom Fleck. Das setzt Unternehmen und Beschäftigte unter Druck. Grund genug einmal genauer hinzuschauen.
 

Lange Krise, erste Hoffnungsschimmer

Nach zwei Jahren im Seitwärtsgang zeigen sich seit Ende letzten Jahres erste positive Signale: leichtes BIP-Wachstum, steigender Auftragseingang und eine verbesserte Stimmung in vielen Branchen. Die beigefügte Grafik macht das deutlich: Während die Industrie, der Großhandel, der Einzelhandel und das Gastgewerbe weiterhin mit negativen Geschäftslagen kämpfen (sichtbar an den negativen Balken im Jahr 2026), sind das Baugewerbe, der Verkehr und vor allem die Dienstleistungen auf einem klaren Aufwärtstrend. Für das Jahr 2026 wird mit einem weiteren Wachstum von 0,7 Prozent im Land gerechnet.


Warum die Industrie hakt

Zentrale Leitbranchen wie Fahrzeugbau, Maschinenbau, Chemie und Pharma prägen Baden-Württemberg: Sie machen über 40 Prozent des Exports aus und tragen rund 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch geopolitische Konflikte, Zölle und Konkurrenz aus China belasten die Wirtschaft.

Ein Teil der Probleme ist hausgemacht: Im Automobilbau wurden Chancen bei Software und Batterietechnologie vertan.

Die Metall- und Elektroindustrie spürt die schwache Auslandsnachfrage besonders stark: 2025 sank die Beschäftigung erneut um 32.450 Stellen auf 938.700 Menschen (-3,3 %). Auch im Maschinenbau gingen die Exportgeschäfte zuletzt weiter zurück (2024: -5,4 %, 2025: -4,2 %). Die Auftragseingänge wurden zwar vom Euro-Raum gestützt, lagen insgesamt aber dennoch 2 Prozent im Minus. Die Beschäftigung blieb 2025 mit über 330.000 noch weitgehend stabil, sank jedoch 2026 um fast 7.600 Stellen (knapp 3 %).

Die Krise der Chemie- und Pharmaindustrie ist noch tiefer und struktureller als in anderen Branchen. Hohe Energiepreise machen sich bei Produktionskostenanteilen um 10 Prozent deutlich bemerkbar. Bundesweit ist die Produktion seit 2018 um 20 Prozent gesunken – auch in Baden-Württemberg bereits das fünfte Jahr in Folge. 
Stabilisiert wird die Entwicklung durch den Pharmasektor, sodass die Beschäftigung hier weit-
gehend stabil blieb.


Neue Risiken: Irankrieg

Ein weiterer Risikofaktor ist der Irankrieg. Noch sind die wirtschaftlichen Folgen schwer abzuschätzen, aber erste Schocks auf den Energiemärkten durch bedrohte Handelswege in der Straße von Hormus zeigen bereits deutliche Auswirkungen.
 

Sozialkürzungen sind der falsche Weg

In dieser Situation fordern Arbeitgeber oft Sozialabbau. Doch das ist der falsche Weg: Erstens, weil Sozialabbau keines der Probleme der Wirtschaft löst – weder verfehlte Produktstrategien und verpasste Innovationen noch Handelskonflikte, Zölle und Dumpingkonkurrenz. Zweitens ist es auch ökonomisch falsch, denn es sorgt für Verunsicherung in der Bevölkerung. So würde die Inlandsnachfrage – die unsere Wirtschaft stabilisiert – geschwächt.
 

Was jetzt zu tun ist

Der DGB fordert: Investieren, Innovationen stärken, Jobs sichern. 

  • In Infrastruktur investieren: Bund und Länder müssen das Sondervermögen schnell und zielgenau in Straßen, Energiewende, Bildung und Forschung stecken.

  • Industriepolitik aktiv gestalten: Europäische Unabhängigkeit durch Buy-European-Verpflichtungen stärken, Leitmärkte für klimafreundliche Grundstoffe aus Europa aufbauen, Kreislaufwirtschaft fördern und eine Initiative für „Made in BW“-Produkte starten.

  • Unternehmen in die Pflicht nehmen: Arbeitgeber müssen sich wieder mehr anstrengen, Innovationen in die Märkte zu bringen, statt Produktion ins Ausland zu verlagern.

  • Neue Zukunftsfelder erschließen: Cleantech ausbauen, neue Handelspartner gewinnen und so Abhängigkeiten von unsicheren Märkten reduzieren.

  • Staat leistungsfähig machen: Deutschland braucht eine motivierte, gut ausgestattete Verwaltung, die Industrie, Daseinsvorsorge und öffentliche Aufgaben zusammen denkt.

     

Unser Grundsatz bleibt: Erst unsere Jobs, dann eure Profite.

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