Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September wirbt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Baden-Württemberg für das Erfolgsmodell duale Ausbildung.
Maren Diebel-Ebers, stellvertretende Vorsitzende DGB Baden-Württemberg: „Immer mehr Betriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück. Das ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung. Die Betriebe begründen dies mit zu hohen Kosten, sinkenden Personalbedarfen und einer diffusen ,Früher-war-die-Jugend-besser-Haltung'. Das sind alles keine überzeugenden Argumente. Wir warnen ausdrücklich vor einem Rückzug aus der Berufsausbildung. Vielmehr ist die duale Ausbildung das beste Mittel gegen den Fachkräftemangel. Das Erfolgsmodell duale Ausbildung müsse allen Interessierten offenstehen. Alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen haben eine Chance verdient. Ohne abgeschlossene Ausbildung ist das Risiko, arbeitslos zu werden, sechsmal höher.”
Während die Zahl der Bewerber*innen steigt, sinkt das Angebot. Laut Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der im August gemeldeten Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 71.096 zurückgegangen. Aktuell suchen noch 10.800 junge Menschen einen Ausbildungsplatz.
Diebel-Ebers weiter: „Die Betriebe steuern auf eine historisch einmalige Welle von Renteneintritten zu. Sie sind dringend auf neue Fachkräfte angewiesen. Ausbilden, ausbilden, ausbilden ist das Gebot der Stunde.“
Der DGB appelliert zudem an die Betriebe, nicht nur den aktuellen Jahrgang von Schulabgänger*innen zu berücksichtigen. „Mehr als jeder sechste junge Mensch in Baden-Württemberg zwischen 20 und 34 Jahren hat keinen Berufsabschluss. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Viele konnten sich eine Ausbildung aus finanziellen Gründen nicht leisten, anderen hat es an Orientierung bei der Berufswahl gefehlt. Die Betriebe sind gut beraten, auch diese Bewerber*innen zu berücksichtigen. An- und Ungelernte bringen bereits grundlegende berufliche Kompetenzen wie Belastbarkeit und Problemlösungsvermögen mit“, argumentiert Diebel-Ebers.
Die DGB-Jugend hat jüngst ihren Ausbildungsreport 2025 vorgelegt. Die erfreulichen Ergebnisse: Jede*r siebte Auszubildende ist mit der Ausbildung zufrieden. Die Qualität der Ausbildung hat sich in wichtigen Bereichen verbessert.
Ein bedenklicher Befund: Der finanzielle Druck auf die Auszubildenden wächst. Knapp 63 Prozent der Auszubildenden haben Probleme, von ihrer Vergütung selbstständig zu leben. Das ist ein Anstieg um sechs Prozentpunkte seit 2020. Jede*r achte Azubi muss neben der Ausbildung noch jobben.
„Eine Berufsausbildung muss für junge Menschen leistbar sein. Tarifverträge spielen hier eine wichtige Rolle, genauso wie Azubiwohnheime. Hier sehen wir die Betriebe und die Politik in der Pflicht. Wir haben uns für eine breite und effektive Förderung von Azubiwohnheimen stark gemacht. Die Landesregierung hat den Ball aufgenommen. Doch noch ist kein durch das Programm ,Junges Wohnen‘ geförderte Azubiwohnheim im Land fertiggestellt. Der Bedarf ist groß. Die Azubis warten dringend auf bezahlbare Wohnmöglichkeiten“, mahnt die stellvertretende Landesvorsitzende.
Hintergrund:
Den Ausbildungsreport 2025 finden Sie hier.