Freiburg: SOS - Save our Sozialstaat
Samstag, 27.6. 2026 | 15:30 - 17:30 | Stühlinger Kirchplatz
Hauptrede: Detlef Raabe, ver.di Bundesvorstand
Aufruf:
Save our Sozialstaat!
Unser Sozialstaat ist kein Geschenk. Er wurde von Generationen von Beschäftigten und Gewerkschafter:innen erkämpft. Die gesetzliche Rente, eine verlässliche Gesundheitsversorgung, gute Pflege, soziale Sicherheit und geregelte Arbeitszeiten sind das Ergebnis jahrzehntelanger Ausei-nandersetzungen. Doch genau diese Errungenschaften stehen unter Druck. Unter dem Vorwand leerer Kassen und angeblich notwendiger Reformen sollen Beschäftigte, Rentner:innen, Familien, Erwerbslose, Pflegebedürftige und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen immer stärker belastet werden. Während große Vermögen und hohe Einkommen geschont werden, sollen dieje-nigen verzichten, die jeden Tag arbeiten und unsere Gesellschaft am Laufen halten.
Das dürfen wir nicht zulassen!
Dabei spielt es keine Rolle, ob wir in der Pflege oder im Krankenhaus, in der Verwaltung, in Kitas, im Handel, im Verkehr, in der Logistik, in der Industrie, in der Reinigung, in Bildung, Medien oder sozialen Einrichtungen arbeiten. Ob wir Mitglied bei ver.di, IG Metall, NGG, GEW, IGBCE oder einer anderen DGB-Gewerkschaft sind:
Der Angriff auf den Sozialstaat betrifft uns alle.
Rente mit 70? Nicht mit uns!
Wer eine weitere Anhebung des Rentenalters fordert, ignoriert die Lebensrealität von Millionen Beschäftigten. Viele Menschen schaffen es schon heute kaum, gesund bis zum regulären Renten-eintritt zu arbeiten. Schichtdienst, körperliche Belastung, Zeitdruck, Personalmangel und zuneh-mende Arbeitsverdichtung hinterlassen Spuren.
Eine Rente mit 70 bedeutet für viele nicht drei Jahre länger arbeiten, sondern drei Jahre länger durchhalten müssen – oder früher mit Abschlägen in den Ruhestand gehen und dauerhaft weniger Rente erhalten. Wir wollen eine Rente, von der man leben kann – und einen Ruhestand, den man gesund erreicht.
Keine Kürzungen bei Pflege und sozialen Leistungen!
Pflegebedürftigkeit darf nicht zum Armutsrisiko werden. Gute Pflege darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Gleichzeitig brauchen Pflegekräfte bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und eine verlässliche Finanzierung und Tariflöhne. Kürzungen, Leistungseinschränkungen oder höhere Eigenanteile wären ein Angriff auf Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte. Das Gleiche gilt für Einschnitte bei Gesundheit, Familien, Arbeitslosen, Menschen mit Behinderung oder in der Kinder- und Jugendhilfe. Ein starker Sozial-staat schützt Menschen, statt sie alleinzulassen.
Der Achtstundentag bleibt!
Der Achtstundentag ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung. Er schützt unsere Gesundheit und schafft Zeit für Familie, Kinder, Erholung, Freundschaften und gesellschaftliches Engagement in Ehrenämter. Wer tägliche Höchstarbeitszeiten aufweichen und noch längere Arbeitstage ermöglichen will, nennt das Flexibilität. Für viele Beschäftigte bedeutet es jedoch: mehr Überstunden, weniger Planbarkeit und noch größere gesundheitliche Belastungen. Flexibilität darf nicht heißen, dass Arbeitgeber grenzenlos über unsere Zeit verfügen können.
Jetzt kommt es auf uns an!
Sozialabbau wird nicht durch gute Argumente allein verhindert.
Wir müssen sichtbar werden. Wir müssen laut sein.
Und wir müssen zeigen, dass Gewerkschafter:innen zusammenstehen, wenn unsere gemeinsamen Errungenschaften angegriffen werden.