Ausbildung stärken, Fachkräfte sichern: Jetzt in die Zukunft junger Menschen investieren
Ausbildungsmarkt unter Druck: Der DGB Baden-Württemberg fordert mehr betriebliche Verantwortung, eine echte Ausbildungsgarantie und bessere Unterstützung für junge Menschen. Wer heute nicht ausbildet, verschärft morgen den Fachkräftemangel. Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg steht unter Druck. Zum Ende der Vermittlungsperiode im August sind rund 64.500 betriebliche Ausbildungsstellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet – 9,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sind noch rund 17.500 Ausbildungsstellen unbesetzt. Auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kommen 81 Bewerberinnen und Bewerber. Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf mit Blick auf die jungen Menschen: Im August waren in Baden-Württemberg 32.437 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind rund 20 Prozent mehr als im Juli und 5,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Jugendarbeitslosenquote liegt damit bei 4,7 Prozent. „Wenn junge Menschen keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden, während Unternehmen gleichzeitig über fehlende Fachkräfte klagen, läuft etwas schief“, so Kai Burmeister, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg. „Die Situation hat unterschiedliche Ursachen. Deshalb braucht es mehrere Maßnahmen, die ineinandergreifen. Für uns ist klar: Die Verantwortung für die Ausbildung der Fachkräfte von morgen darf nicht allein bei den jungen Menschen liegen. Unternehmen und Politik müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Ausbildung auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Vorfahrt hat.“ Die aktuellen Zahlen zeigen ein Spannungsfeld, das nicht mit einem einfachen Gegensatz von „zu vielen Ausbildungsplätzen“ und „zu wenigen Bewerberinnen und Bewerbern“ erklärt werden kann. Zwar sind noch rund 17.500 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig suchen junge Menschen weiterhin nach einem Ausbildungsplatz. Auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen kommen 81 Bewerberinnen und Bewerber. Entscheidend sind deshalb auch regionale, berufliche und persönliche Passungsprobleme. Für den DGB ist der Rückgang des Ausbildungsangebots dennoch ein klares Warnsignal. Gerade angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs darf die wirtschaftliche Schwäche nicht dazu führen, dass Betriebe ihre Ausbildungsaktivitäten zurückfahren. Der DGB Baden-Württemberg sieht dabei drei zentrale Handlungsfelder: Erstens: Mehr betriebliche Ausbildung ermöglichen. Der aktuelle Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen um 9,8 Prozent zeigt, dass hier gegengesteuert werden muss. Ausbildung ist keine kurzfristige Kostenposition, sondern eine Investition in die Fachkräfte von morgen. Gleichzeitig brauchen ausbildungsbereite Betriebe Unterstützung, um auch Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen eine Chance geben zu können. Zweitens: Ausbildungsgarantie konsequent umsetzen. Dafür braucht es verlässliche Übergänge von der Schule in Ausbildung, eine frühzeitige und praxisnahe Berufsorientierung sowie einen weiteren Ausbau der Jugendberufsagenturen in Baden-Württemberg. Die aktuellen Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit machen deutlich, wie dringend diese Aufgabe ist. 32.437 junge Menschen unter 25 Jahren waren im August arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig betont auch die Bundesagentur für Arbeit, dass eine abgeschlossene Ausbildung ein wichtiger Schutz vor Arbeitslosigkeit ist. Dabei darf der Blick nicht allein auf die Zahl der noch offenen Ausbildungsplätze gerichtet werden. Entscheidend ist, ob junge Menschen tatsächlich in eine Ausbildung einmünden und eine realistische Perspektive auf einen erfolgreichen Berufsabschluss erhalten. Drittens: Auszubildende gezielt unterstützen. Die vorhandenen Beratungs- und Unterstützungsangebote müssen deshalb besser bekannt, miteinander verknüpft und niedrigschwellig zugänglich sein. Auch die Qualität der Ausbildung entscheidet darüber, ob junge Menschen erfolgreich ins Berufsleben starten. Der aktuelle DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt, dass 65,7 Prozent der befragten Auszubildenden ihre Ausbildung als „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ bewerten. Gibt es eine betriebliche Interessenvertretung, steigt dieser Anteil auf 75,7 Prozent. Gleichzeitig berichtet die Hälfte der Befragten von psychischen Belastungen, etwa durch Leistungsdruck, hohe Verantwortung oder Personalmangel. „Die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt lassen sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen. Aber wir können und müssen die Rahmenbedingungen verbessern. Ausbildung stärken, Übergänge sichern und junge Menschen begleiten – das sind die entscheidenden Schritte, um Fachkräfte zu sichern und jungen Menschen eine echte berufliche Perspektive zu geben“, mahnt Kai Burmeister. „Wer heute nicht ausbildet, verschärft morgen den Fachkräftemangel. Deshalb müssen wir jetzt handeln – nicht erst dann, wenn der Fachkräftemangel noch größer geworden ist.“ Aktuelle Zahlen auf einen Blick
Quellen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg: Arbeitslosenquote im Land unverändert, 31.07.2026 – Angaben zur Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit im Juli 2026. DGB: Ausbildungsreport 2026: Starke Interessenvertretung im Betrieb sichert gute Ausbildung, 20.08.2026. |