Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 73 - 16.10.2020
Umfrage des DGB Baden-Württemberg

Corona erschwert Studium und Studienfinanzierung enorm

DGB setzt sich für BAföG-Reform ein

Wie kann der Studienalltag in der Pandemie organisiert werden? Wie lässt sich das Studium finanzieren? Mit diesen Fragen sind rund 357.000 Studierende vor dem Beginn des Wintersemesters in Baden-Württemberg konfrontiert, zumal sich das Infektionsgeschehen weiter verschlimmert.

Die Studierendenumfrage des DGB Baden-Württembergs in Kooperation mit der Landesstudierendenvertretung zeigt auf, wie sehr die Corona-Pandemie die Studienfinanzierung und Studienbedingungen schon bisher belastet hat. An der Online-Umfrage, die zwischen Mai und August durchgeführt wurde, nahmen landesweit rund 670 Studierende teil. Sie ist Teil der gemeinsamen Studierendenkampagne zur Corona-Krise.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Das BAföG ist als Instrument zur Studienfinanzierung völlig untauglich. Nur ca. 20 Prozent der Teilnehmenden gaben an, die staatliche Studienförderung zu beziehen. Hingegen gaben jeweils ca. 62 Prozent der Studierenden an, das Studium entweder über einen Nebenjob und/oder über die finanzielle Unterstützung durch die Familie zu bestreiten. Dabei sind sowohl die hohe Anzahl der studentischen Minijober*innen (40,7 Prozent), die erfahrungsgemäß einer prekären Beschäftigung nachgehen, als auch die hohe durchschnittliche Arbeitszeit auffällig.

Alexander Ropohl, Jugendbildungsreferent beim DGB: „Jetzt in der Krise zeigt sich, dass nur sehr wenige Studierende mit dem BAföG eine verlässliche Finanzierungsquelle haben. Ein hoher Anteil der Studierenden ist aufs Jobben angewiesen und damit stark von der jeweiligen Situation auf dem Arbeitsmarkt abhängig.“

In der Umfrage gaben 13,4 Prozent der Teilnehmenden an, ihren Job coronabedingt verloren zu haben. Rund acht Prozent gaben an, dass sie ohne weitere Bezahlung freigestellt wurden. 16,1 Prozent erhielten weniger Gehalt als vor der Krise. Bei elf Prozent ist die Unterstützung durch die Familie geringer oder gar ganz weggebrochen. Diese massiven Einschnitte erhalten noch zusätzlich Brisanz vor dem Hintergrund, dass 40 Prozent der Studierenden angaben, keine Arbeitnehmervertretung innerhalb des Betriebs gehabt zu haben, an die sie sich hätten wenden können.

Die Corona-Krise hat viele Studierende in massive Finanznöte gestürzt. Rund 30 Prozent gaben an, dass sie nicht mehr genug Geld für Lebensmittel und Produkte für den alltäglichen Bedarf hätten. Zudem gaben rund 32 Prozent an, nicht genug Geld für Materialien für die Uni zu besitzen. Zudem gab ein Viertel der Befragten an, Rechnungen nicht mehr begleichen zu können. Fast 18 Prozent konnten die Miete nicht mehr bezahlen. 

Zu den finanziellen Problemen kommen Schwierigkeiten im Studienalltag und bei der Planung hinzu. Für 43 Prozent der Befragten ist der Studienablauf unklar. Wiederum gaben 36 Prozent der Teilnehmenden an, dass sich der Studienabschluss verzögern werde. Für zwei Drittel der Studierenden ist die soziale Isolation psychisch belastend. Hinzu kommt der deutlich gestiegene Arbeitsaufwand, den 54 Prozent beklagten, der eine zusätzliche Belastung darstellt. Schließlich gaben 16 Prozent der Befragten an, nur unzureichend oder gar nicht an (Online-)Angeboten der Hochschule partizipieren zu können.

„Die Corona-Krise verschärft die Probleme, die an den Hochschulen seit Langem existieren: Die ungleiche Teilhabe an und ungleiche Zugänge zu Bildung“, kritisierte Ropohl.

„Bund, Land und Hochschulen müssen jetzt zügig reagieren. Es gilt das BAföG für alle Studierenden schnell und unbürokratisch zu öffnen. Durch das Auslaufen der Überbrückungshilfe ist der Handlungsbedarf an dieser Stelle weiter gestiegen. Die Krise zeigt zudem, dass die Hochschulen fürs digitale Lernen und Lehren fit gemacht und die psychosoziale Beratung in der Krise weiter ausgebaut werden muss.“

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie finden Sie in der angehängten Datei.

 

Ansprechpartner:
Alexander Ropohl, Jugendbildungsreferent beim DGB (alexander.ropohl@dgb.de oder mobil 0160 92811294)

 


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