Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 28 - 21.06.2018

Beratungsstelle für Geflüchtete "Mit RECHT bei der ARBEIT" eröffnet

Kooperationsprojekt beim DGB angedockt

In Baden-Württemberg arbeiten viele Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen, denen das deutsche Arbeitsrecht nicht geläufig ist. Sie werden leicht Opfer von Arbeitsausbeutung. Mit dem Projekt mira („Mit Recht bei der Arbeit!) gibt es nun ein Beratungsangebot, das sich speziell an Geflüchtete richtet und sie zu Arbeitsbedingungen sowie zu ihren Rechten und Pflichten im Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsverhältnis berät. Es ist bisher das einzige in dieser Form in Baden-Württemberg.

„Mit Recht bei der Arbeit“ ist eine Kooperation von zwei Projekten, zum einen „Faire Integration“, das im Rahmen des IQ Netzwerkes aus Mitteln des Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird, und zum anderen von „Faire Arbeit“, das von der Diözese Rottenburg-Stuttgart gefördert wird. Projektträger sind einmal der Verein adis (Antidiskriminierung, Empowerment, Praxisentwicklung) sowie die Katholische Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und das Fraueninformationszentrum FIZ im Verein für Internationale Jugendarbeit (vij). Die Beratung von mira ist im Willi-Bleicher-Haus untergebracht. Dort ist bereits das Projekt Faire Mobilität angesiedelt, das Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus EU-Ländern berät.

Das Mira-Beratungsteam spricht deutsch, französisch, englisch, türkisch und arabisch. Bei Bedarf können Dolmetscher hinzugezogen werden. Auch Fachkräfte und Multiplikatoren können sich an Mira wenden. Die Beratung ist kostenfrei.

Gabriele Frenzer-Wolf, stellvertretende DGB-Landesvorsitzende sagte anlässlich der heutigen Eröffnung von mira: „Immer mehr Geflüchtete, die seit 2015 aus Kriegs- und Krisenländern nach Deutschland gekommen sind, finden eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz. Etwa jeder Fünfte hat eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Experten schätzen, dass in diesem Jahr monatlich bis zu 10.000 Geflüchtete in Arbeit kommen werden. Die Erfahrung mit Menschen aus den EU-Beitrittsländern zeigt, dass Arbeitgeber die schwache Verhandlungsposition und die mangelnden Sprachkenntnisse der Arbeitssuchenden oft ausnutzen. Arbeitsverträge und die Pflicht zur Sozialversicherung werden oft nicht eingehalten. Teilweise gibt es krasse Fälle von Arbeitsausbeutung. Deshalb bin ich sehr froh, dass das Projekt mira jetzt auch im Land angeboten wird und dass es beim DGB angedockt ist.“

Hüseyin Ertunc, Gesamtkoordinator des IQ Netzwerkes Baden-Württemberg: „Wir freuen uns über die enge und gute Kooperation zwischen dem IQ Netzwerk, dem DGB und den Trägern von Faire Integration und Faire Arbeit. Mit der Bündelung der Ressourcen und Kompetenzen aller Akteure haben wir ein starkes und wirksames Angebot geschaffen, um Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt besser schützen zu können. Wir sind davon überzeugt, dass angesichts des Bedarfes mira sich schnell etablieren und einen wichtigen Beitrag für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten beitragen wird.“

Andreas Foitzik, Geschäftsführer von adis e.V. – Antidiskriminierung · Empowerment · Praxisentwicklung: „Als Träger der Antidiskriminierungs-beratung wissen wir: Nur wer seine Rechte kennt und durchsetzen kann, wird einen guten Platz auf dem Arbeitsmarkt finden und bewahren können. Daher beteiligen wir uns gerne an dem Kooperationsprojekt mira.“

Doris Köhncke, vij, Leiterin des Fraueninformationszentrums FIZ: „Seit sieben Jahren beraten wir EU-Migrantinnen und Migranten und mussten feststellen, dass ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in Deutschland Alltag sind. Deshalb wollen wir mit mira auch Geflüchtete dabei unterstützen, ihre Arbeitsrechte geltend zu machen.“

Weitere Informationen finden Sie unter: www.mira-beratung.de

 


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